
Pure Doze „Dozewriter“
(Eigenvertrieb)
Wir schreiben den 7.7. 2007. Michael Fritze alias Pure Doze, dem eine gewisse Affinität zur Zahl 23 (7 + 7 + 2 + 0 + 0 + 7 = 23) nachgesagt wird, veröffentlicht nach über zehn Jahren sein zweites Solo-Album namens „Dozewriter“. Bestückt mit Features von Atom One, Brenna & Desasta, DJ Coach One, Rap-T, ABS, Shocking Murray, Inferno79, DJ DSD und Mr. Jig geht „Dozewriter“ mit insgesamt 23 Tracks in die Vollen. Dem düsteren Intro „Stille“ folgt zunächst der apokalyptische Track „Wasser“, in dem Doze gekonnt die Problematik des Klimawandels thematisiert. Nach der Auto-Proleten-Nummer „Fernlicht“ versetzt die druckvolle Neuauflage von „Dortmund Rapresent“ den Hörer per Zeitmaschine in das Jahr 1997, als Der Lange „The Real Deal“ veröffentlichte. Das rockige „Iron City 2007″ knüpft nahtlos an diesen Representer an: „Ich bin ein Freak wie ihr, ich trinke Bier, ich rap’ für vier, Mercedes BMW out of here!“
Geschwind die „Karriereleiter“ nach Oben geklettert, wartet mit „Weinen“ das Gänsehaut-Stück des Albums. Allein dieses gefühlvolle Lied macht „Dozewriter“ zu einem absoluten Must-Have: „Ich dachte HipHop verbindet, egal, wo man sich befindet, doch merke wie die Kultur in ein Nichts entschwindet“ – Danke für diese Zeilen! Mit „Tötet bitte Rap“ greift Doze das vom Langen bereits vor längerem thematisierte „Kill Rap please“ auf. Zusammen mit ABS erklärt Doze dann, was „Rap is“ und was Rap eben nicht sein sollte. Gott sei Dank hat Ercandize dieses Mal die Savas-Flows mehr oder weniger zu Hause gelassen. Eine schöne Hook von Mr. Short rundet diesen Track gelungen ab. Selbstverständlich kommen auch traditionelle Scratch- und Electro-Freunde mit „Pure Dozewriter“ oder „Fame“ voll auf ihre Kosten. „Dozewriter“ ist eben ein HipHop- und kein Rap-Album. Das wird jedem spätestens bei „Mission“ klar, auf dem Doze deutliche Worte über seinen Bezug zur HipHop-Kultur findet.
Als Science-Fiction-Fan liefert er anschließend mit „Flucht ins 23. Jahrhundert“ (feat. Mr. Jig) und dem zweiten Teil von „Ich enter dein Raumschiff“ zwei großartige Storytelling-Tracks ab. Als Anspieltipps seien außerdem das traumatische „Regen auf den Dächern“ mit Inferno79, das Mary Jane umschreibende „Durst nach Dir“ und das mehr als persönliche „Krankheit“, in dem sich Doze an seine Familie wendet, wärmstens empfohlen. Songs wie „Begierde“ und „Ein Lied“ werden viele vermutlich als störend empfinden. Wer den Doze-Output jedoch intensiver verfolgt hat, der weiß, dass diese Tracks nahtlos an sein zwischenzeitliches Rammstein-Coveralbum „RTS“ anknüpfen. „Selfmade Man“ und „Das ist Arbeit“ führen dagegen meine Negativliste an. Das liegt großenteils daran, dass ich mich weder mit Desastas Pseudo-Pimp-Gelaber noch mit Brennas nervigem Staublungengebrülle anfreunden kann. Doze hingegen überzeugt auf beiden Tracks.
Mit „Dozewriter“ liefert Pure Doze ein Album ab, das komplett in Eigenregie entstanden ist. Man merkt jedem Song an, dass Unmengen an Herzblut in „Dozewriter“ geflossen sind. Um den musikalischen roten Faden zu gewährleisten, hat Doze alle Beats, die von verschiedenen Produzenten stammen, noch einmal durch seine MPC gejagt und in akribischer Handarbeit verfeinert. Diese Liebe zum Detail wird ebenfalls durch die perfekt arrangierten Doubles, Breaks und die grandiose Auswahl der obligatorischen Filmsamples deutlich. Sicher erfindet sich Doze, nach rund 18 Jahren HipHop, textlich und raptechnisch nicht neu. Das muss er aber auch nicht. Doze ist ehrlich und persönlich. Diese Mischung macht ihn zu dem authentischen und äußerst sympathischen MC, der er seit jeher ist. „Dozewriter“ ist das langerhoffte Follow-Up zu „Overdoze“, lässt keine Wünsche offen und bereichert das Too-Strong-Universum um einen weiteren Meilenstein. In diesem Sinne: Keep on, Doze – Keep on, Too Strong!
Weitere Informationen und Snippet unter: www.myspace.com/realpuredoze und www.toostrong.de
Diese Review erscheint mit freundlicher Genehmigung von allesreal.de










