Echorausch – „Kennst du des?“
(Eigenvertrieb)
„Halleluja“: Der Echorausch aus Berg am Laim ist zurück. Wenn auch nur, um sich standesgemäß bei seinen treuen Fans zu verabschieden. Nach über zwölf Jahren Beats, Raps und Cuts aus München wird sich der Vorhang vor MC Teekanne und CC Diamond für immer schließen. Die Zugabe kann man ab sofort mit „Kennst du des?“ in den Händen halten. „Kennst du des?“ ist eine Mischung aus Neuem und Gemixtem. Allein fünf Neuauflagen von bekannten Songs des Vorgängeralbums „Des mit dem“ haben es unter die 16 bisher unveröffentlichten Tracks geschafft. Dazu zählen ein weiterer „Hallo Hallo“-Remix, eine funkige Version von „Knock em out the box“, ein „Mir wissen nix Mix“ von „Frühstück am HBF“, ein Remix der 2003 erschienenen Maxi „Geh weida“ sowie eine Live-Version von „Monaco Heads“, die noch einmal die Auftritts-Qualitäten des Echorauschs unter Beweis stellt.
Wie vom Rausch nicht anders zu erwarten, beginnt das Album mit einer Hymne an die bayrische Hauptstadt und ihre Bewohner. Aloisius sei Dank, dass die Münchner auch im Himmel repräsentiert werden. Dass der Echorausch „ready 2 buzz“ ist, wird auf „Echorausch Crew is“ schnell klar. „Ohh Ohh“ ist allen Pseudorappern gewidmet und zeigt diesen Artgenossen wortgewandt auf, mit wem sie es im Battle zu tun bekommen würden. „Wie shouts aus?“ knüpft danach nahtlos an diese solide Vorstellung an und liefert einen ungeschminkten Statusbericht der deutschen Raplandschaft: „BRD, BRD, SOS, mir is’ schlecht, hier geht’s nich’ um Rap, ihr werdet Rap nich’ gerecht.“ Zusammen mit Weeh 78 räumt der Echorausch dann äußerst entspannt auf „Back on da scene“ mit Kindergartenrappern auf. Locker flockig geht’s derweil im Storytelling-Modus auf „Mir ham Spaß“ und auf „Beachinger Joe“ zur Sache. Mein persönliches Highlight bleibt allerdings der oben bereits angesprochene Live-Mitschnitt von „Monaco Heads“ am Staffelsee, der Erinnerungen an alte Zeiten weckt.
Mit „Kennst du des?“ verabschiedet sich eine Münchner Crew, die es über Jahre hinweg verstanden hat, mit kreativen Songs viele Menschen zu begeistern. Der Versuch, „Kennst du des?“ mit aktuellen Deutschrap-Alben zu vergleichen, ist insofern unangebracht, da es sich um keine Neuproduktionen für ein neues Echorausch-Album handelt. Vielmehr hat der Echorausch versucht, einen würdigen Abgang zu inszenieren. Umso erstaunlicher, dass alle Produktionen absolut auf Höhe der Zeit sind. Wer Teekanne und Co. Oldschool Rap vorwirft, der hat das Konzept von „Kennst du des?“ und überhaupt die Geschichte des Echorauschs nicht verstanden.
Sicherlich wird die jüngere Raphörerschaft vermutlich einen weiten Bogen um das durchaus gelungene Abschiedswerk machen. Das liegt aber nicht an den Skills der Protagonisten, sondern an einer Fehlentwicklung der deutschen Rapszene, deren Nachwuchs mit Conscious Rap nichts mehr zu tun haben will. Dem Echorausch kann das jedoch völlig egal sein. „Kennst du des?“ ist schließlich ihren treuen Fans gewidmet und nicht auf die Erschließung neuer Fankreise ausgelegt. Ich ziehe also meinen Hut vor der Courage, ein Album mit bisher unveröffentlichtem Material an den Start zu bringen, das dennoch on point ist und von dem sich einige Gruppen noch immer ein großes Stück abschneiden sollten. Der Echorausch verlässt die Bühne mit erhobenem Haupt. Ich sage: Merci, Danke und hauts Euch nei, Oida.
Weitere Informationen und Snippet unter: www.myspace.com/mcteekanne und www.echorausch.eu
Diese Review erscheint mit freundlicher Genehmigung von allesreal.de











