
The Love Movement – „Stadtgespräch“
(La Cosa Mia / Rough Trade)
„Where is the love?“, fragten die Black Eyed Peas 2003 äußerst kritisch die Konsumenten vor den Fernsehern und Radiogeräten. So plakativ der Song damals auch wirkte, so aktuell ist die Fragestellung noch heute, wenn man sich die Entwicklung der so genannten HipHop-Szene einmal vor Augen führt. HipHop in Deutschland anno 2007, das ist zu 90 Prozent aufgesetztes Image. Ein Medienkonglomerat aus Majorlabeln und Musiksendern versucht von Berlin aus, möglichst sinnentleerte Rap-Unterhaltungs-Musik an die jugendlichen, meist medial-inkompetenten Kunden zu verkaufen. Seit einigen Jahren erwirtschaftet diese unheilige Medienallianz enorme Gewinne durch Ghettoromantiken, Gewaltverherrlichung und die klassischen Straßen-Gangster-Klischees. Wichtig dabei ist vor allem, dass der jugendliche Endverbraucher auf keinen Fall anfängt, nachzudenken, oder sich für alternative Rapmusik interessiert. Darum hat man schlicht eine beliebig austauschbare Gruppe von möglichst harten, hasserfüllten, aggressiven, manchmal auch brutalen und vor allem nichtssagenden falschen Rappropheten generiert, die mit Gruppengepose, Battle-, Beef- und Disstracks die Jugend in ihren Bann ziehen und die Allmachtsfantasien der heranwachsenden Popstars-Generation befriedigen.
Doch zum Glück besteht HipHop nicht nur aus Retortenrap unter Majorlabel-Einfluss. Während sich Chartrapper allmählich textlich an HP von Scooter annähern, gibt es noch immer eine Fraktion glühender Rapliebhaber, die von den Medien meist unbeachtet HipHop leben und lieben. Zu dieser seltenen Gattung gehören auch die beiden Künstler Macka Ena aus Köln und 7inch aus Berlin von The Love Movement. Inspiriert von amerikanischen Acts wie Common Sense, Little Brother, A Tribe Called Quest, De La Soul oder Masta Ace haben es sich die beiden langjährigen HipHop-Akteure zum Ziel gesetzt, wieder die Liebe in den Fokus der HipHop-Gemeinde zu rücken. „Die Welt ist schlecht und viel zu selten gerecht, aber wir haben ja die Liebe und sie hält uns fest. Also, was auch passiert, ganz egal, was kommt, du und ich, wir zwei, wir schaffen das schon“, heißt es da treffender Weise in ihrem Song „Die Welt ist schlecht“.
Was kann man vom Love Movement erwarten? Neben Tracks über das aktuelle HipHop-Geschehen („Soulmate“ und „Die Liebe ist weg“) und über das HipHop-typische Backpacking, also das Reisen von Stadt zu Stadt, von Jam zu Jam („Auf der Reise“) berappen die beiden talentierten Musiker den Umgang mit Frauen in Herzensangelegenheiten („Fühl Dich wie zu Haus“, „Aus und Vorbei“, „Alles was ich will“) und zeigen dem Zuhörer, wie „Wunderschön“ das Leben sein kann, um sich abschließend mit „Danke“ von Freunden und Bekannten zu verabschieden. Die aus 70er Jahre Soul-Samples bestehenden Beats von 7inch untermalen den positiven Vibe dieses 14 Tracks starken Ausnahme-Albums in geradezu perfekter Form und hätten so auch auf einem US-Release erscheinen können. Für das Mastering zeichnete sich übrigens kein geringerer als Daniel Sluga alias Fader Gladiator verantwortlich, auf dessen Label La Cosa Mia das „Stadtgespräch“ auch veröffentlicht wurde. Der angenehme Flow beider Akteure mag zwar einigen Fans ausgefallener Raptechniken nicht unbedingt zusagen, allerdings fügen sich Beats und Raps zu einer Einheit zusammen, die einfach extrem gute Laune verbreitet.
Dem Love Movement ist mit „Stadtgespräch“ ein Album mit textlicher Substanz, eingängigen Hooklines und einem enorm positiven Ausdruck gelungen. So bringt das Love Movement Licht, Wärme und Liebe durch die Boxen in den tristen, farblosen und herbstlichen Rapalltag. Für Freunde guter deutscher Rapmusik sollte dieses Album auf jeden Fall eine Versuchung wert sein. Die Liebe ist zurück – es wurde höchste Zeit dafür!
Weitere Informationen und Snippet unter: www.myspace.com/lovemovement7 und www.love-movement.de (noch im Aufbau)
Diese Review erscheint mit freundlicher Genehmigung von allesreal.de










